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Sprachtherapie - Sprachförderung im Spannungsfeld der Diskussion um Einzel- oder Gruppentherapie

Die Diskussion um Einzel-, Gruppentherapie und integrierte Formen der Logopädie werden immer wieder aktuell. 

Der Kanton hat in den Weisungen über die fördernden Massnahmen festgehalten, dass Logopädie und Psychomotorik in der Regel im Einzelunterricht erteilt werden. 

Im folgenden Statement informiert der Vorstand, weshalb es wichtig ist, die Logopädie als Therapie weiterhin einzeln durchzuführen. 

Standpunkt des BSGL-Vorstandes zur Einzel- und Gruppentherapie

Einzel- oder Gruppentherapie in der Logopädie


Sonderpädagogische Massnahmen kosten Geld und das ist, wie wir alle wissen, nicht unbeschränkt vorhanden. Viele Gemeinden im Kanton St. Gallen stehen unter Kostendruck und die verschiedenen sonderpädagogischen Massnahmen müssen innerhalb des Pensenpools aufgeteilt werden.

Verschiedene Wege werden gesucht, wie die Kosten gesenkt werden können. Deshalb kommt die Diskussion zur Gruppentherapie in der Logopädie immer wieder auf. Ein weiterer Grund für die Forderung von Gruppentherapien in der Logopädie ist wahrscheinlich auch der, dass die Förderung durch die schulischen HeilpädagogInnen und die Legasthenietherapien oft in Gruppen durchgeführt werden.

Uns scheint es wichtig, einmal mehr unsere Gründe darzulegen, warum die Logopädietherapie grundsätzlich in Einzeltherapie stattfinden muss und warum nur in Ausnahmefällen und unter bestimmten Bedingungen eine Gruppentherapie sinnvoll sein kann.

 

Gründe für die Einzeltherapie in der Logopädie  

Therapeutische Gründe

Die logopädische Therapie orientiert sich am individuellen Entwicklungsstand, am spezifischen Störungsbild, am Lebensalter und am persönlichen Entwicklungstempo des Kindes.

Von diesen Aspekten hängt die Wahl des therapeutischen Vorgehens, der Therapiemethode und des Therapiematerials ab.

Sie orientiert sich nicht am Lehrplan der Schule und ist auch kein Nachhilfeunterricht.

Die Ursachen von Sprech- oder Spracherwerbsstörungen bei Kindern sind vielschichtig und können sehr unterschiedlich sein, ebenso der Entwicklungsverlauf und der Schweregrad einer Störung.

Sprach- und Sprechstörungen können nicht isoliert betrachtet werden, sondern stehen im Zusammenhang mit den anderen Entwicklungsbereichen (z.B. auditive, visuelle und taktil-kinästhetische Wahrnehmung, Motorik, Persönlichkeitsentwicklung, soziale Entwicklung und andere). Diese Entwicklungsbereiche und die Aufarbeitung deren Defizite müssen individuell in die Therapie einbezogen werden.

Die Grundlage jeder therapeutischen Arbeit ist der Aufbau einer tragfähigen, stark persönlichkeits-bezogenen Beziehung zwischen Kind und Logopädin. Gerade Kinder, die in ihrer Kommunikation beeinträchtigt sind oder die ein Störungsbewusstsein haben, brauchen diesen geschützten Rahmen des Einzelsettings, um sich öffnen und die Arbeit an ihren Defiziten zulassen zu können.

 

Pädagogische Gründe

Kinder unterschiedlichen Alters mit derselben Auffälligkeit können nicht gemeinsam behandelt werden.

Ein routinemässiger Einsatz von Therapieverfahren ist nicht zu verantworten.

 

Ökonomische Gründe

Wenn mit Kindern innerhalb einer Gruppe an unterschiedlichen Therapiezielen gearbeitet werden muss, ergeben sich Wartezeiten während der Therapiestunde für Einzelne von ihnen. Diese sind ineffizient und verlängern die Therapiedauer. Die Therapiezeit (meistens nur eine Lektion pro Woche) sollte optimal genutzt werden.

Aufgrund der oben genannten Gründe ist es sehr schwierig, zwei oder mehrere Kinder, die sinnvoll in derselben Gruppe therapiert werden könnten, zu finden.

Dieser Umstand erlaubt die Gruppenbildung deshalb nur in beschränktem Mass.

 

In folgenden Therapiesituationen kann eine Gruppentherapie sinnvoll sein:

  • Solange das Therapieziel mehrerer Kinder dasselbe ist, und sie im etwa gleichen Tempo Fortschritte machen, kann eine Gruppentherapie in Erwägung gezogen werden. Die Entscheidung liegt im Ermessen der Logopädin.
  • Wenn das Kommunikationsverhalten im Zentrum stehen soll.
  • Wenn der Schonraum der intimen Zweiersituation geöffnet werden soll, z.B. zur Anwendung des erlernten Kommunikationsverhaltens in einer Gruppe von stotternden Kindern oder bei Kindern mit Stimmproblemen.
  • Als Ergänzung zur Einzeltherapie.

Alternativen zur Gruppentherapie

Um innerhalb des Pensums möglichst viele Kinder optimal fördern zu können, gibt es Alternativen zur Gruppentherapie. Einige davon möchte ich hier nennen:

Nicht alle Kinder benötigen eine intensive, wöchentliche Therapie. Bei einigen Kindern reicht es, wenn sie in Form von Kontrollen begleitet und die Eltern angeleitet und beraten werden, wie sie das Kind zu Hause unterstützen und mit ihm sinnvoll üben können.

Gegen Ende der Therapie können die Intervalle vergrössert werden.

Vor allem bei jüngeren Kindern hat sich gezeigt, dass ein Arbeiten in Phasen sinnvoll sein kann. Nach der Pause wird jeweils neu entschieden, ob eine weitere Therapiephase nötig ist, ob die Pause verlängert wird, weil das Kind weiterhin gute Fortschritte erzielt hat oder ob die Therapie sogar abgeschlossen werden kann.

Es ist wünschenswert, wenn die Kinder früh genug erfasst und in ihrer Entwicklung unterstützt werden, bevor einer starke Entwicklungsstörung auftritt oder das Kind sekundäre Störungen (Rückzug, Verhaltensstörung, Aggressivität, schlechtes Selbstwertgefühl usw.) entwickelt.

Ausserdem müssen wir im Bereich der Prävention, der Öffentlichkeitsarbeit und der Aufklärung über die frühkindliche Sprachentwicklung weiterhin aktiv sein (Aufklärung von Eltern, Spielgruppenleiterinnen, Kindergartenlehrkräften, Ärzten usw.).

Trotz aller Massnahmen und Vorgehensweisen muss immer das Kind, seine Entwicklung und sein Umfeld im Zentrum stehen.
 

Für den BSGL Vorstand

Maja Hirschbühl

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